Ein bis zwei Meter ragen im Durchschnitt die 1198 kleinen Inseln der Malediven über den Meeresspiegel und macht sie deshalb, wie kaum ein zweites Land anfällig für den Klimawandel und den daraus resultierenden Anstieg der Weltmeere. Ob durch den Menschen (anthropogen) freigesetzte Treibhausgase* oder durch natürliche kosmische und atmosphärsche Einflüsse verursacht (bewiesen ist hinsichtlich dieser Frage noch nichts), könnte eine mögliche kurzfristige Klimaerwärmung vielleicht zu einem schnellen Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten Jahrzehnten führen.
Theoretisch könnte auf den Inseln der Einwohner die Errichtung durch schutzende und wellenbrechende Bauwerke den Landverlust verhindern. Jedoch wären solcherlei Maßnahmen für die Touristeninseln im Hinblick auf die Einnahmen im Tourismus wertlos, da das Erscheinungsbild der Inseln sehr stark an Attraktivität verlieren und die Korallenriffe durch die veränderten Umweltbedingungen wie Licht- und Strömungsverhältnisse eventuell sogar absterben würden, wenn dies vorher nicht schon durch die klimatisch bedingte Erhöhung der Wassertemperatur geschieht.

Im letzten Jahrhundert ist die erdnahe Durchschnittstemperatur um etwa 0,6 °C angestiegen, der höchste Temperaturanstieg innerhalb eines Jahrhunderts während der letzten 1000 Jahre; ein Großteil dieser Erwärmung erfolgte in den letzten 30 Jahren. Wissenschaftliche Berechnungen sagen bei einer Fortsetzung der aktuellen Tendenzen bis zum Jahr 2100 eine weitere erhebliche Erderwärmung voraus, im günstigsten Fall
1,1 °C - 2,9 °C, im schlimmsten Fall bis 6,4 °C.
Der Prozess ist so weit fortgeschritten, dass selbst bei einer Stabilisierung des Anstiegs der Treibhausgase auf dem bisherigen Niveau, einen langsamen Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur noch für mehrere Jahrhunderte zur Folge hätte. Die Komplexität des Klimageschehens und die Überlagerung von natürlichen Klimaschwankungen lassen genaue Prognosen über die künftige Entwicklung des Klimas nur bedingt zu; die Existenz eines anthropogenen Treibhauseffektes ist aber unstrittig. Auch ist noch nicht eindeutig bewiesen, ob dies nun ausschließlich anthropogen durch die Freisetzung von Treibhausgasen oder allein durch kosmische Einflüsse verursacht wird.
Bereits ein verhältnismäßig geringer Temperaturanstieg von 1-2 °C hätte weltweit häufigere und stärkere Wetterextreme zur Folge, besonders Hurrikane, Eisflächen- und Gletscherschmelze, Meeresspiegelanstieg und daraus resultierend erhöhte Sturmflutgefahr, häufigere Überschwemmungen und Hochwasser, häufigere Hitzeperioden, mehr Trockenheit und Ausbreitung von Wüsten...
Der Vollständigkeit halber sie an dieser Stelle das Modell von Kench, McLean, Nichol erwähnt, wonach ein Überleben und Weiterwachsen der Koralen bei einem prognostizierten Meeresspiegelanstieg in Höhe von 0,48 Meter bis zum Jahr 2100 als wahrscheinlich angenommen wird, also die zur Inselbildung notwendige Anhäufung von Sedimenten andauern könnte und so die Malediven im Gegensatz zu vorherrschenden Meinungen durchaus nicht im Meer versinken würden.
Umzugspläne des Präsidenten Nasheed
Der neugewählte, demokratische Präsident des Landes, Mohamed Nasheed, erwägt daher als erster Staatschef drastische Konsequenzen aus dem Klimawandel zu ziehen. „Wir können nichts tun, um den Klimawandel zu stoppen, deshalb müssen wir uns gegen das Schlimmste wappnen und woanders Land kaufen”, erklärte Nasheed gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“. Nasheed, der Ende Oktober 2008 sein Amt antratt, erklärte weiter, er habe bereits mit einigen anderen Regierungen gesprochen und sei durchaus auf Verständnis gestoßen. Als mögliche neue Wahlheimaten, in denen man für die unsichere Zukunft Land kaufen wolle, könnten Indien, Sri Lanka oder Australien in Frage kommen. Zur Finanzierung des neuen Lebensraums für die Klimaflüchtlinge, sollen Einnahmen aus dem Tourismus herangezogen werden. Bereits unmittelbar nach der Wahl hatte der Präsident angekündigt, sein Land künftig weiter für westliche Besucher zu öffnen. Nach Vorhersagen der Vereinten Nationen, kann der Meeresspiegel bis zum Jahre 2100 bereits um 60 Zentimeter ansteigen, damit wären die rund 200 bewohnten Malediveninseln bereits im Meer versunken.
Das Geld für die Rettungpläne der Regierung soll aus dem Tourismus kommen. Im Jahr 2007 kamen knapp 676.000 Besucher auf die Malediven, um die tropischen Eilande mit einsamen Stränden, Palmenhainen und ihren Korallenriffen zu genießen. Die Touristeneinnahmen machen rund 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Jedes Jahr, so der Plan des Präsidenten, soll ein gewisser Prozentsatz des Staatshaushalts für den Erwerb eines neuen Landes abgezweigt werden. Doch dürfte das kaum ausreichen, sollte Nasheed seine Mammutpläne in die Tat umsetzen wollen.

